Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch – ein Modell mit magnetischer Wirkung. Immer mehr Eigentümer möchten die Vorteile des „gemeinsamen Eigenverbrauchs“ mit anderen Teilnehmern nutzen. Die Reichweite der ZEV-Modelle wächst. Und mit ihr die Möglichkeiten – Aber auch die Intransparenz.

Noch fehlt es an Durchblick

Laut BKW mangele es neben der Transparenz der Modelle auch an aktuellen Statistiken, die Aufschlüsse über die Anzahl an ZEV geben könnten. Einen Anhaltspunkt allerdings liefert Swissolar mit den Ergebnissen einer Umfrage bei ZEV-Anbietern von 2019. Demnach wurden im vergangenen Jahr rund 400 ZEV-Anlagen in der Schweiz gebaut. Dies entspricht einer Leistung von knapp 10 MW. In 2020 werde der ZEV-Markt voraussichtlich einen Wachstum von 133 Prozent erleben.

ZEV-Modell als Trend nicht übersehen

Die Immobilien- und Baubranche ist rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen, sodass die lokale Solarenergieproduktion auf dem Dach oder auf der Fassade bei fast jedem Bauprojekt wirtschaftlich geworden ist. Mit dem ZEV können erstmals Solaranlagen in Mehrfamilienhäusern integriert werden.

Das wiederum macht private und institutionelle Immobilienbesitzer zu Stromlieferanten in ihrem Gebäude. Die Mieter profitieren so von lokalem, erneuerbarem, und oftmals günstigerem Strom und die Besitzer steigern den Wert und leisten einen Beitrag zur Energiestrategie 2050.

Laut BKW reichen die Projektgrössen dabei von Drei-Parteien-Mehrfamilienhäusern, bis hin zur Überbauung mit über 100 Wohnungen und Gewerbe. Dank Fernablesung und digitalen Dienstleistungen, wie sie die BKW-Tochtergesellschaft engytec bietet, verrechnen Gebäudebesitzer den produzierten Strom ganz einfach an ihre Mieter weiter. Und Dank digitaler ZEV-Rechner wird der Beratungs- und Angebotsprozess erleichtert und transparent.

ZEV-Modell: Interessante Neuerung für Installationsbetriebe

Für Installationsbetriebe ist das ZEV-Konstrukt eine sehr interessante Neuerung. Die BKW-Tochtergesellschaft, das ISP Energy Center, beispielsweise, erhalte monatlich drei bis vier Anfragen zum ZEV.

Für Installateure beschränke sich die technische Besonderheit dabei auf die Elektroinstallation, welche so angepasst werde, dass die Energie von der Solaranlage in der Liegenschaft verteilt und der Verbrauch der einzelnen Parteien gemessen werde.

Jede Partei erhalte dazu ihren eigenen privaten Solarstromzähler, der nicht mehr vom Netzbetreiber gestellt wird. Für die Messung des Verbrauchs und die Abrechnung innerhalb der Parteien sei die Gebäudeeigentümerschaft fortan selbst verantwortlich. Die Umsetzung und Betreibung des neuen Messprinzips sei dabei spielend einfach und beispielsweise mittels Einbau eines Monitoring-Systems möglich.

Positives Feedback – Schwierige Bearbeitung

Auch Martin Mäder, Mitinhaber der CE CONCEPT ENERGY AG, sieht im Zusammenschluss zum Eigenverbrauch einen Trend: „Der Trend zum ZEV ist stark steigend. Aus unserer Sicht ist die Installation von einem ZEV in einem Mehrfamilienhaus fast schon ein ‚Muss‘. Das Feedback über unser ZEV-Produkt ist durchweg positiv.“

Das Marktpotential von ZEV Systemen ist schwierig auszuschöpfen. Der Grund ist mitunter die schwierige Bearbeitung. Hierfür nennt der Mitinhaber der CONCEPT ENERGY AG drei Beispiele:

  1. Viele Investoren planen diese Mehrkosten nicht in einem Gebäude ein und wollen nur den maximalen Profit mit dem Bau und Verkauf einer Liegenschaft generieren

  2. Bei Stockwerkeigentümern ist es immer schwierig solch eine Investition allen Eigentümern schmackhaft zu machen. Auch wenn nicht zwingend alle bei einem ZEV mitmachen müssen, kann dies zu vielen Diskussionen führen und die Projekte verzögern.

  3. Je nach Standort mischen heutzutage auch die lokalen Elektrizitätsversorger in diesem Markt mit. Da hier keine Grundinvestition oder nur eine sehr kleine anfällt, haben die EVUs einen entsprechenden Marktvorteil.

Auch Mäder stimmt der Ansicht der BKW zu – Dass es zusätzlich noch häufig zu Verwechslungen zwischen dem ZEV- und VNB-Praxismodellen komme: „Der Endkunde verfügt nicht über das Wissen, um diese Modelle unterscheiden zu können. Dabei ist er auf eine gute Beratung von entsprechenden Experten angewiesen.“

ZEV-Modell hat viel Potential: Wenn die Beratung angepasst wird

Laut Mäder ist es zwingend ratsam, den Fokus bei der Beratung zum ZEV individuell anzupassen. So haben Miteigentümer, Eigentümer, Mieter oder Investoren jeweils unterschiedliche Bedürfnisse an einen ZEV. Mal sei die Visualisierung, mal die finanzielle Seite in den Fokus zu rücken.

„Der Kunde muss sehen, dass sich diese Mehrinvestition lohnt. Nur mit einem ZEV bspw. ist das wirtschaftliche Betreiben der PV-Anlage auf einem Mehrfamilienhaus möglich. Die Unterschiede von einem Gebäude mit und ohne ZEV erfolgt am besten visuell, der Endkunde muss einfach erkennen können wie sich der Eigenverbrauch ändert, wenn alle Bewohner eines Gebäudes vom Strom der Solaranlage profitieren können“, so Mäder.

Nur in wenigen Ausnahmefällen, komme ein ZEV nicht in Frage: „Bei bestehenden Gebäuden ist die Anpassung an der bestehenden Elektroinstallation teilweise sehr aufwendig. In diesem Fall bringt die Umstellung auf ein ZEV zu hohe Folgekosten mit sich“.

Fazit

Ein ZEV-Modell überzeugt in den meisten Fällen durch seine Vorteile für alle Teilnehmer. Noch geht allerdings viel des Potentials verloren, was vor allem der Intransparenz zuzuschreiben ist, die zu Verwechslungen führt.

Allerdings bleibt der Trend auf dem Vormarsch und immer mehr EVUs und Installateure bieten das ZEV-Modell an. Es ist also sinnvoll, seine Beratungsprozesse hier individuell anzupassen und erklärend aufzubereiten. Ein ZEV-Rechner kann dabei ein hilfreiches Tool sein.

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Bettina Enser

Bettina Enser ist die Verantwortliche für Marketing und Kommunikation bei der Eturnity AG. Sie liefert Einblicke in Themen rund um die Vermarktung von Erneuerbaren Energiesystemen. Bei Fragen zum Beitrag wenden Sie sich an bettina.enser@eturnity.ch